30 Jahre GefAS – 30 Jahre Kampf gegen Armut

Wir sind da – und wir, die Gesellschaft für Arbeit und Soziales (GefAS) e.V., sind ein starker Interessenvertreter sozial benachteiligter Menschen.

Die Erfolgsgeschichte der GefAS begann mit der politischen Wende 1989/90. Erstmals gab es auf dem ehemaligen Territorium der DDR Arbeitslosigkeit und vor allem Massenarbeitslosigkeit. Dafür hat die Treuhandanstalt gesorgt.                                                                                                                                 

Das Phänomen Arbeitslosigkeit kannten die meisten Bürger der DDR nur aus Geschichtsbüchern. Den Menschen quälten die Fragen, wie verhält man sich bei Arbeitslosigkeit oder drohender Arbeits-losigkeit, Armut war vorprogrammiert.                                                                                                                                  

Der DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) der BRD trat nicht in die Rechtsnachfolge des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) der DDR und somit gab es bis Mitte der 90er Jahre keine hinreichende Interessenvertretung für die abhängig Beschäftigten (Arbeitnehmerinnen und Arbeit-nehmer).                                                                                                                           

Nach Lösungen für Interessenvertretungen suchend, waren es vorwiegend die Justitiare der Gewerkschaft HBV (Handel, Banken und Versicherungen) im DGB, Gunter Rose und der Gewerkschaft ÖD (Öffentliche Dienste) im ehemaligen FDGB, Siegfried Unger.                                   

Sie mobilisierten Juristen aus Ost- und Westdeutschland und gründeten am 10. Januar 1991 in Mühlhausen / Thüringen das Bildungswerk zur Verteidigung von Arbeitnehmerrechten e.V.                                                                                                                                      

Eigentlich war die Gründung und Tätigkeit des Vereins nur für ca. 5 Jahre vorgesehen, dann sollten die Rechtsberatungsstellen des DGB diese Tätigkeit fortsetzen.

Den Vereinsinteressen kam entgegen, dass die BA (Bundesanstalt für Arbeit) dringend Träger von ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen) suchte, um der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland zu begegnen.

Das Bildungswerk zur Verteidigung von Arbeitnehmerrechten war hierzu bereit und in dieser Zeit die einzige Organisation, die sich um arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen in der ehemaligen DDR kümmerte, und das von Rostock bis Görlitz, letztendlich mit 42 Geschäftsstellen. Über ABM stellten wir vorwiegend arbeitslos gewordene Juristen ein, qualifizierten diese im Fern-lehrgang, in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung und der Universität Bremen, Prof. Däubler, zum bundesdeutschen Arbeits- und Sozialrecht. Für die Eröffnungsveranstaltung war uns die Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz gerade recht. Ca. 320 Absolventen erhielten drei Jahre später entsprechende Urkunden.

Nahezu alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Lehrganges bekamen im Anschluss an ihre Tätigkeit bei der GefAS Anstellungen in Unternehmen, bei der BA, in Verwaltungen oder gründeten Rechtsanwaltsbüros. Arbeitsförderung war zu einer Hauptzielstellung unserer weiteren Arbeit geworden. Gleichzeitig wurden mit den geförderten Personen umfangreiche Projekte in sozialen niedrigschwelligen Bereichen realisiert.

Am 13.07.1994 erschien in der Berliner Morgenpost ein umfassender Artikel: „Weiße Burg“: Projekte gegen Arbeitslosigkeit in der Region“ Erkner – Übernahme und Erhalt von 25 Arbeitskräften, Start von Projekten gegen Arbeitslosigkeit, Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden von Erkner und Umgebung – das sind die Schwerpunktziele, die die Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht bei der Übernahme des Objektes „Weiße Burg“, den jetzigen Schulungsheim „Haus am Dämeritzsee“, anpeilt. Das Objekt soll vom Bundesvermögensamt zum 30. August in die Hände der Gesellschaft übergehen (die Morgenpost berichtete) und zu einer Erkneraner Begegnungs- und Weiterbildungsstätte auf-gebaut werden. Zur Zeit prüft die Gesellschaft den vom Bundesvermögensamt übergebenen Mietvertrag. ….“

Wie umfangreich die soziale Projektarbeit in der Folgezeit organisiert wurde, findet man auf der Homepage der GefAS, bzw. in den Broschüren über unsere Arbeit vom Sept. 1992, Okt. 1994, Dez. 1996, Dez. 1999, Dez. 2001 und Dez. 2006. Darüber hinaus wurden jährlich Veranstaltungskalender und Bildungsprogramme herausgegeben, die ein Beleg der vielfältigen sozialen Arbeit, auch als Bildungsträger, sind.

Herausragende Ereignisse der Entwicklung der GefAS waren 2002 der Erwerb des Landhauses in Niewitz, Landkreis Dahme-Spreewald und die Führung als Arbeitslosenservice-Einrichtung und später als Begegnungs- und Weiterbildungsstätte. Die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, Regine Hildebrandt, war eine unserer ständigen Begleiterinnen.

2008 haben wir die Immobilie in Fürstenwalde, Hegelstr. 22 erworben. Das wurde dann auch unsere Hauptgeschäftsstelle, die bis dahin in Berlin am Franz-Mehring-Platz 1 zu finden war.

Auf Anfrage der Verwaltung des Landkreises Oder-Spree, stellen wir im Jahr 2013 unser Haus in der Hegelstr. vollständig zur Aufnahme von 130 Asylbewerberinnen und -bewerbern zur Verfügung und übernahmen auch deren Betreuung. Der Betrieb weiterer Notunterkünfte für Asylbewerber erfolgte in Schöneiche und in Grünheide und mit dem weiteren Übergangswohnheim in Erkner.                           Seit 2020 betreuen wir darüber hinaus im Projekt „Unterbringungsnahe Migrationssozialarbeit in der dezentralen Unterbringung …“ ca. 650 Asylbewerber/-innen und Migranten, die bereits in Wohnungen leben und fördern ihre Integration mir 8 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in den Regionen Fürstenwalde und Erkner. Die Asyl- und Migrationsarbeit ist daher der zweite Schwerpunkt der sozialen Arbeit der GefAS. 

In Erkner haben wir die meisten sozialen Projekte. Nach schwierigen Verhandlungen mit Firmen der DB (Deutschen Bahn) mieteten wir 2007 die Immobilie im Fichtenauer Weg in Erkner, die ab 2013 unsere Hauptgeschäftsstelle wurde. 2019 war der Verkauf dieser Liegenschaft durch die DB an den Meistbietenden angesagt. Hier konnten wir finanziell nicht mithalten. Wir hatten aber viele Unterstützer in Erkner und der Region auf unserer Seite. ca. 450 Personen demonstrierten am 03.07.2018 laut und bunt durch die Straßen von Erkner, an der Spitze die Sozialministerin des Landes Brandenburg, Diana Golze, viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und die Entertainerin Dagmar Frederic. Sämtliche Fraktionen des Stadtparlamentes stimmten für den Erwerb der Immobilie durch die Stadt, damit GefAS vor Ort erhalten bleibt. Dafür sind wir sehr dankbar. Nun hoffen wir, unter Beachtung unserer Tätigkeit für die Bürgerinnen und Bürger Stadt, auf entsprechend sinnvolle vertragliche Regelungen für die Zukunft.

Im Landkreis MOL (Märkisch-Oder-Land) hatte ein großer sozialer Träger gegenüber der Gemeindeverwaltung Rüdersdorf Verträge für den Betrieb der Tafel, Kleiderkammer und Möbelkammer aus fiskalischen Gründen gekündigt, Projekte der Armutsbekämpfung. Ein Teil der sozial schlechter gestellten Menschen aus dieser Region nutzte bereits die Angebote der GefAS in Erkner. Einstimmig beschloss die Gemeindevertretersitzung, die Übernahme der Projekte durch GefAS ab 01.01.2021. Die Hauptzielstellung unserer gemeinnützigen und mildtätigen Arbeit ist die Armutsbekämpfung. Wir stellen uns der neuen Herausforderung für die Menschen in dieser Region. Natürlich wird uns auch diese zusätzliche Projekttätigkeit wieder viel Kraft abverlangen, wie das in den 30 Jahren unserer Entwicklung immer war.

Seit vielen Jahren steht das Thema Armutsbekämpfung immer wieder in den Mittelpunkt unserer Arbeit und wir richten danach unsere Hilfsangebote aus. Vielfältige Projekte dienen der Armuts-bekämpfung oder Armutsmilderung, wie z.B. die der 5 Tafeln in Beeskow, Erkner, Fürstenwalde, Storkow und neu Rüdersdorf. Dabei verzeichnen wir, gerade jetzt in der Pandemiezeit, ca.7.000 bis 8.000 Besuche von nutzungsberechtigten Personen monatlich. Gezählt werden Einzelpersonen, die auch für ihre Familien Lebensmittel erhalten. Die Zahl muss man entsprechend multiplizieren, um zu erfahren wie viele Menschen durch die Tafeln der GefAS mit Lebensmitteln ergänzend versorgt werden. Hier wird Armut sichtbar, obwohl Armut immer eine Vereinsamungstendenz hat, gerade jetzt während der Corona-Krise.

Im Tafel-Magazin „bei uns“, Ausgabe 2020 äußerte sich der Vorsitzende der Tafel Deutschland, Jochen Brühl, umfassend über mangelnde Unterstützung armer Menschen durch staatliche Institutionen. Das können wir für unsere Regionen voll auf bestätigen. Projekte der Armutsbekämpfung sind bedauerlicher Weise keine gesetzlichen Pflichtaufgaben der Kommunen aber im Rahmen des Sozialstaatsprinzips vom Grundgesetz gefordert. Wie wichtig dabei auch Kleiderkammern, Möbelkammern, die Obdachlosenbetreuung, die Sozialberatung und andere Projekte mehr, für die Menschen sind, erleben wir an jedem Tag.

Für all diese Projekte erfahren wir leider nicht die nötige Unterstützung von den Verwaltungen und bedauerlicher Weise auch nicht von einem Großteil der Abgeordneten in den Parlamenten. Diese Einschätzung treffen wir gerade für den Landkreis Oder-Spree, in dem wir seit einigen Jahren vorwiegend tätig sind und aus unmittelbarer fachlicher Arbeit sachgerechte Einschätzungen treffen können. Es gibt keine amtlichen Zahlen über die Armutssituation betreffender Personengruppen, „daher muss man die vorhandenen Hilfsangebote auch nicht oder nur sehr gering finanziell fördern“. Teilweise werden Finanzierungen, so für die Schuldnerberatung massiv gekürzt und das in der Pandemie mit all ihren katastrophalen finanziellen und wirtschaftlichen Folgen. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Menschen auf der Strecke bleiben.

Um die Politiker wach zu rütteln, haben wir im Juni 2020 einen „Armutsbericht für den Landkreis Oder-Spree aus der Sicht von GefAS“ herausgegeben. Viele Bürgermeister, Abgeordnete des Landtages u.a. Gremien haben diesen Bericht und die Forderung nach einen Armutsbericht durch die Kreisverwaltung begrüß. Jedoch stimmten am 02.12.2020 alle Fraktionen, außer der Linken, im Kreistag gegen einen Armutsbericht der Kreisverwaltung.

An diesem Thema bleiben wir dran. Wir wollen die Armut im Landkreis Oder-Spree nicht nur vor den Tafeln, sondern im gesamten Landkreis sichtbar machen.

In diesem Sinne sind wir auch weiterhin Anwalt für sozial benachteiligte und sozial schlechter gestellte Menschen.

Wir, das sind die hauptamtlichen und die vielen ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfer, die Unterstützer und Kooperationspartner. Das sind die Spender und Sponsoren, ihnen gebührt unser aufrichtiger Dank. Ohne die fleißige Tätigkeit dieser Menschen, ohne die selbstlose ideelle und materielle Unterstützung und Hilfe wäre die Gesellschaft für Arbeit und Soziales (GefAS e.V.) keine 30-jährige Erfolgsgeschichte. Um weitere Unterstützung werben wir ausdrücklich.

Das Gründungsmitglied der GefAS, Dipl.-jur. Siegfried Unger wurde am 30.09.2021 anlässlich der Festveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit die Anerkennung mit dem Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt Erkner zuteil. Das ist auch eine hohe Anerkennung für die 30jährige Tätigkeit der GefAS. Anlässlich des 30jährigen Bestehens der GefAS wird es am 29.10.2021 eine Festveranstaltung geben.

Ihr Team der GefAS