Goldstaub aus zweiter Hand

Goldstaub aus zweiter Hand

Fürstenwalder Kleiderkammern warten auf Herbst- und Wintersachen / Haushaltswaren ebenso begehrt

Betrag aus der MOZ vom 27.09.2017

 

 

Fürstenwalde (MOZ) Trotz Herbstbeginn stapeln sich in den Regalen der Fürstenwalder Kleiderkammern vor allem kurze Sachen. Gebraucht werden nicht nur Anoraks und warme Schuhe, auch Töpfe, Handtaschen, Bettzeug und Babysachen sind bei den Kunden begehrt.

Die hellbraunen Fellstiefel nimmt Gudrun Lehmann auf gut Glück mit. „Ist nicht schlimm, wenn sie zu groß sind. Die ziehe ich als Hausschuhe an“, sagt sie, wühlt sich weiter durch einen Karton mit abgelegten Schuhen. In der Kleiderkammer der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas) in der Hegelstraße stöbert die 61-Jährige Frührentnerin regelmäßig durch Regale und Kleiderständer.

„Heute morgen“, sagt Cornelia Kirchner, die die Kleiderkammer betreut, „haben wir mal was Langes reinbekommen.“ Sie deutet auf gut ein Dutzend graue und bunte Anoraks. Ansonsten sehe es mit Herbst- und Winterkleidung noch mau aus. „Die Leute bringen jetzt ihre aussortierten Sommerklamotten, dabei brauchen wir lange, warme Sachen“, sagt sie.

Gudrun Lehmann hält nach wenigen Minuten ein zweites Paar Schuhe, außerdem eine schwarze Hose in ihren Händen. Hinter der Afghanin Yalda Niazmand wartet sie darauf, abkassiert zu werden. „Macht fünf Euro“, sagt Cornelia Kirchner zu der 33-Jährigen. Für die junge Frau zu viel – zwei der fünf T-Shirts legt sie wieder zurück.

Während Kunden in der Kleiderkammer der Gefas ihre Bedarfskarte vorzeigen müssen, verzichtet das Soziale Zentrum „Haltestelle“ des Caritasverbands auf einen solchen Nachweis. „Die Hemmschwelle ist hoch. Wer den Weg zu uns findet, hat einen Grund“, erklärt Leiterin Ingrid Freninez.

Neben Frauen-, Männer- und Kinderbekleidung stapeln sich in einem Containerbau in der Hauffstraße auch Handtücher, Bettwäsche und Gardinen. „Goldstaub“ nennt Ingrid Freninez diese Sachen – sie liegen nie lange in den Regalen. Begehrt seien auch Babysachen, Schuhe und Jogginganzüge.

Dass nicht nur Klamotten, sondern auch Accessoires und Haushaltsgegenstände begehrt sind, bestätigt Gabriele Skupin. Die 53-Jährige leitet die DRK-Kleiderkammer in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. „Geschirr steht nie lange“, sagt sie, auch Schwimm- und Arbeitsbekleidung, Unterwäsche und Bademäntel hängen in den engen Kellerräumen.

Im Gegensatz zu Caritas und Gefas erreicht das Deutsche Rote Kreuz der größte Teil seiner Spenden über Altkleidercontainer. Allein 42 Stück stehen in Fürstenwalde, zweimal in der Woche wird ihr Inhalt in die Kleiderkammer gebracht, von Skupin und ihrer Kollegin Maria Strey gesichtet, sortiert und in die Regale geräumt. Ein Sommerloch, sagt die Leiterin, gebe es auch bei den Altkleidercontainern. Erst nach den Ferien seien sie wieder gut gefüllt, vor allem die an der Spreebrücke, in der August-Bebel- und Rauener Straße.

„Der ist dir zu klein“, sagt Gabriele Skupin zu einem jungen Mann, der sich einen Pullover vor den Oberkörper hält. Sie kennt den Syrer Amar Omar, der jetzt warme Sachen braucht. „Die einen probieren an, die anderen nicht“, sagt sie. Was sie aber beobachtet: „Männer sind genauso eitel wie die Frauen.“

© Beitrag und Foto: MOZ/Annemarie Diehr

Goldstaub aus zweiter Hand